Zeichen für Miteinander und Nächstenliebe

Auch die Ganztagshauptschule Achenbach setzt in dieser schwierigen Zeit, ganz nach ihrem Schulmotto ein Zeichen für Menschlichkeit und Nächstenliebe. „Miteinander“ ist schon seit jeher der zentrale Begriff und Inhalt des Schulmottos.

In der Ganztagshauptschule werden zurzeit mehr als 60 Schüler, für die die deutsche Sprache eine Fremdsprache und Deutschland ein fremdes Land ist, unterrichtet. Die meisten von ihnen sind Flüchtlingskinder. Jeden Tag werden neue Kinder angemeldet. Monika Hoffmann, Mitglied des Schulleitungsteams, beschreibt, wie die Schule mit dieser Situation umgeht: „Die Kinder werden bei uns freundlich aufgenommen. Das Wissen um die Situation dieser Familien und die  Vermittlung der deutschen Sprache sind dabei der Schlüssel für Verständigung, Verständnis  und den Aufbau neuer Beziehungen und sogar Freundschaften. Wir alle haben bereits gemerkt, dass wir viel voneinander lernen können.“

Die neuen Schüler nehmen  zuerst an Intensivkursen zur Vermittlung der deutschen Sprache teil, dem sog. DaZ-Unterricht. DaZ steht für „Deutsch als Zweitsprache“. In Kleingruppen werden die Schüler je nach ihren Vorkenntnissen und Fortschritten 4 Stunden pro Tag individuell unterrichtet. Dabei gibt es auch einen fachgebundenen Deutschunterricht, z.B. in Naturwissenschaften, in dem die Schüler fachliche Begriffe und Bezeichnungen erlernen, um möglichst schnell in altersgerechte Klassen integriert zu werden. Auch ehrenamtliche Mitarbeiter und Studenten, die an der Schule ihr Praktikum absolvieren, helfen gern aus und unterstützen die Lehrkräfte. Da die Schule über viele Lehrkräfte verfügt, die selbst einen Migrationshintergrund haben, stehen den Schülern  in den meisten Fällen Übersetzer zur Seite, die die Situation der Neuankömmlinge verstehen und Vertrauen aufbauen können. Monika Deis, eine engagierte Deutschlehrerin und Mitorganisatorin des DaZ-Unterrichts schildert ihre Erfahrungen: „Die neuen Schüler sind sehr dankbar, freundlich und liebenswürdig. Sie wollen schnell und eifrig die deutsche Sprache erlernen und sie haben Spaß daran.“ Sie beobachtet die Kinder sehr genau und sieht, dass sie oft in Gedanken versinken. „Aber um die furchtbaren Erlebnisse der Kinder aufzuarbeiten, dafür haben wir keine Ausbildung und keine Zeit“ , sagt sie, „Schule ist wenigstens eine Ablenkung.“ Wenn die Schüler bereits einige Sprachkenntnisse besitzen, werden sie in Fächern, in denen die Sprache eine zweitrangige Rolle spielt, wie z.B. Hauswirtschaft, Textil- oder Kunstunterricht in die Regelklassen entsprechend ihrem Alter integriert und bekommen auf diese Weise Kontakt zu gleichaltrigen Mitschülern. Das soll möglichst schnell erfolgen, damit die Neuankömmlinge nicht isoliert werden.

Das Thema „Flüchtlinge und ihr Schicksal“ wird seit Beginn des Schuljahres in der Ganztagshauptschule Achenbach aber auch verstärkt in verschiedenen Fächern fachübergreifend behandelt. Es besitzt zurzeit Priorität in der Politik und den deutschen Medien und  bestimmt auch  einen Großteil des Schullebens. Es ist im Deutschunterricht, im Erdkundeunterricht, im Religionsunterricht und im Fach Praktische Philosophie, das für nicht christliche Schüler angeboten wird, eingebunden.  Insbesondere die Schüler aus den höheren Klassen sind es, die diese Thematik gewählt und mehr Informationen dazu gefordert hatten. Sie wollen in der aktuellen Situation mitreden können und zeigen großes Interesse und Mitgefühl an der  Situation der Flüchtlinge.

Gudrun Jakob, sie unterrichtet ev. Religion, Praktische Philosophie und neuerdings auch Deutsch für Flüchtlingskinder, berichtet: „Wenn die Kinder nach einiger Zeit die deutsche Sprache beherrschen und sich in ihrem Umfeld sicher fühlen und Vertrauen fassen, dann beginnen sie zu erzählen - über ihr Land, ihre Flucht, das Schlimme, das sie erlebt haben, ihre Angst. Dann ist es mucksmäuschenstill in der Klasse. Manchmal fließen dabei auch ein paar Tränen – auch Tränen der Mitschüler.

Obwohl die Ganztagshauptschule Achenbach immer wieder vor neuen Herausforderungen steht und mit zu den Schulen im Raum Siegen zählt, die die meisten Flüchtlingskinder aufnimmt, gibt es im Schulleben mit ihnen so gut wie keine Probleme. Die Organisation des  Unterrichts und der Betreuung ist gut geregelt und die Kinder fühlen sich gut aufgehoben und wohl. Die Schulleiterin Elke Seiler erklärt dazu: „In manchen Klassen sind bis zu 16 Nationen vertreten und dennoch ist die Klassengemeinschaft harmonisch.“

In der Hauptschule Achenbach versteht man  Verschiedenheit als Stärke und sieht das Potential, das die Schüler mitbringen! Viele der Flüchtlinge werden in ihre Länder zurück gehen, einige werden bleiben. Sie werden die  Zukunft unseres Landes mitbestimmen und verändern.

Es liegt jetzt an uns, was wir ihnen für die Zukunft mitgeben!

Nur Miteinander kann die Zukunft gelingen.